Geschichte

Großwelzheim, am 05. März 1876

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Großwelzheim.


Auf Anschreiben des Bürgermeister Kimmel dahier, an den Feuer Wehr Kommandanten Herr Joseph Ludwig Winkler von Alzenau zur Vornahme rubrizierten Betreffe versammelten sich heute, die Vorberührte, dann die zur Feuer - Wehr angemeldeten Mitglieder. Nachdem der Kommandant Herr Winkler, eine kurze Ansprache an die versammelten Mitglieder über den Zweck, und Wichtigkeit, dieses Vereins gehalten hatte, schritt man zur Einheilung der Cargirten, und wurde gewählt als Vorstand Bürgermeister Kimmel, als Kommandant Herr Kilian Dümig Schreinermeister. Als Führer der Steigerer Abtheilung Herr Moritz Hornung Maurermeister. Als Rotten Führer Herr Friedrich Heßberger Zimmermann. Ferner als Führer der Spritzen-Mannschaft Herr Karl Joseph Heßberger II Schuhmacher. Als Rotten-Führer Herr Peter Stock Wagner. Als Spritzen-Meister Herr Joseph Huth Schmiedmeister. Zu der Steigerer Mannschaften wurden 12 Mann und zu der Spritzen Mannschaft wurden 36 bis 40 Mann eingetheilt. Als Verwaltungsrath wurde die Gemeindeverwaltung nebst Herr Lehrer Lippert in Vorschlag gebracht, und einstimmig angenommen. Hierauf nahm Herr Winkler eine kurze Einleitungs-Übung an die versammelten Abtheilungen vor, und schloß dann die Versammlung, mit einer Ansprache an den Cargirten und Mannschaften mit einem Hoch auf die freiwillige Feuerwehr Großwelzheim aus.

L.U.
Kimmel Bürgermeister
J. Ludwig Winkler Kommandant
Kilian Dümig
Peter Stock I
Joseph Huth
Moritz Hornung
Friedrich Heßberger





Wie die Großwelzheimer Feuerwehr 1875/76 zu einer Feuerspritze kam

Wenn es heute um größere Anschaffungen bei der freiwilligen Feuerwehr geht, denken wir nur an eine fahrbare Drehleiter oder ein Tanklöschfahrzeug, wird dies meist kontrovers diskutiert. So mancher, der ansonsten der Freiwilligen Feuerwehr wohl gesonnen ist, fragt, ob eine solche Ausrüstung denn wirklich notwendig sei, und Gemeinderäte wiegen bedenklich die Köpfe ob der enormen Summen, die im Haushalt bereitgestellt werden müssen.

Neu ist das alles nicht! Als staatliche Behörden sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts daran machten, den Feuerwehrschutz besser zu organisieren und die Gemeinden zur Bereitstellung einer zeitgemäßen Grundausstattung zu verpflichten, war die stimmberechtigte Bürgerschaft - das waren die mit dem Bürgerrecht ausgestatteten männlichen Einwohner - darauf bedacht, möglichst wenig Geld auszugeben, denn die gemeindlichen Einnahmen bestanden wesentlich aus den Erlösen für das an die Einwohnerschaft verkaufte Holz und der zu entrichtende Preis mußte sich natürlich daran orientieren, dass die Ausgaben vor allem mit diesem Einnahmeposten beglichen werden konnten.

Kein Wunder also, dass die zur Beschlussfassung über die “Anschaffung einer Löschmaschine” einberufenen Versammlungen der Großwelzheimer Gemeindebürger in den Jahren 1875 und 1876 sehr stürmisch verliefen. Von 92 stimmberechtigten Gemeindebürgern waren zur Gemeindeversammlung am 10. November 1875 immerhin 66 erschienen, so dass die notwendige Beschlussfähigkeit (2/3 der Gemeindebürger) gegeben war. Ihnen wurde von Bürgermeister Georg Kimmel eröffnet, dass das königliche Bezirksamt Alzenau die Großwelzheimer Gemeindeverwaltung bereits am 26. September 1875 beauftragt hatte, eine neue Feuerspritze zu bestellen und diese Anweisung am 09.10.1875 dergestalt konkretisiert hatte, diese Spritze sei bei der Blümleinschen Maschinenfabrik in Würzburg zu bestellen. Tatsächlich hatte die Großwelzheimer Gemeindeverwaltung bereits vor der einberufenen Versammlung einen entsprechenden Vertrag mit Blümlein abgeschlossen. Aus dem Verzeichnis über die vom Bürgermeister ausgeführten Dienstgänge geht hervor, dass dieser am 21. und 22. Oktober 1875 die vorhandenen Feuerspritzen in Damm und Aschaffenburg inspiziert hatte. Die Gemeinderechnung von 1875 weist zudem mehrmals für Briefe nach Würzburg (Blümlein) und München (Vereinsbank) Portokosten aus.

Im Protokoll über die Versammlung vom 10.11.1875 heißt es: „Laut dieses Vertrages sind zur Bezahlung der Löschmaschinen 1.100 Mark erforderlich. Dieses Kapital aufzubringen ist der Gemeinde eine Unmöglichkeit, weshalb dieses Kapital auf irgendeine Weise (Nürnberger Vereinsbank) aus einem Fond, zahlbar in 28 Jahren, aufgenommen und aus den Renten des Gemeindevermögens wieder abgetragen werden soll.“

Bürgermeister und Gemeindeausschuss haben die Rechnung allerdings ohne ihre auf Sparsamkeit bedachten Ortsbürger gemacht. Die wissen wohl, dass die bezirksamtliche Weisung nicht zu kippen ist, wollen aber statt einer teureren Saug- und Druckspritze eine einfachere und billige Druckspritze. Und so beschließen die 66 anwesenden Gemeindebürger einstimmig ein „Ja, aber“.

„1. Mit der Anschaffung einer Feuerspritze sind wir vollkommen einverstanden; jedoch verstehen wir uns nur zur Beschaffung einer Druckspritze, weil eine Saug- und Druckspritze wegen weiter Entfernung des Mains nicht zweckentsprechend erscheint.
2. Mit der Aufnahme des nötigen Kapitals zur Bezahlung der Spritze sind wir einverstanden, jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, dass diese Schuld in 28 Jahren abgezahlt wird.“

Diesen Beschluss allerdings akzeptiert das Königliche Bezirksamt Alzenau nicht. Es weist die Gemeinde am 4. Januar 1876 an, ein Darlehen in Höhe von 2.000 Mark zur Bezahlung der bestellten Saug- und Druckspritze aufzunehmen. Daraufhin finden am 9. (oder 11.) und am 13. Januar 1876 zwei weitere Gemeindeversammlungen statt, deren „sehr stürmischer Verlauf“ in einem Brief der Gemeinde Großwelzheim an das Bezirksamt Alzenau vom 13.1.1876 geschildert wird, die aber nicht protokolliert worden sind. Ein Beschluss kommt in den zwei genannten Versammlungen nicht zustande, „weil die Gemeindebürger ein Vorurteil gegen rubrizierte Spritze haben, nur die Anschaffung einer Druckspritze genehmigen und bei beiden Versammlungen, ohne Unterschrift geleistet zu haben, fortliefen.“ Hilfe suchend wendet Bürgermeister Kimmel sich noch am 13. Januar 1876 an das Königliche Bezirksamt Alzenau und bittet, „recht bald das Weitere zu verfügen, damit der gehorsam Unterzeichnete sowie die abgekommene Gemeindeverwaltung, welche auf Beschluss des Königlichen Bezirksamts vom 20. September vorigen Jahres mit Blümlein Vertrag abschloss, nicht blamiert wird.“ Wie nicht anders zu erwarten, akzeptiert das Bezirksamt Alzenau die Weigerung der Gemeindeversammlung nicht, da eine Beschwerde – selbst wenn innerhalb der gesetzlichen Frist eingegangen – zurückgewiesen worden wäre. Also beruft Bürgermeister Kimmel für den 26. Januar 1876 eine weitere Gemeindeversammlung ein. Am 9. (oder 11.) Januar 1876 hatte der Bürgermeister der Gemeindeversammlung einen Beschlussvorschlag vorgelegt, der eine Darlehensaufnahme von 2.000 Mark bei der Bayerischen Vereinsbank München und die solidarische Haftung der Ortsbürger beinhaltet hatte. Im Protokollbuch wurde dieser Beschlussvorschlag- offenbar nachträglich- gestrichen Protokollführer Lippert vermerkt dazu; „Dieser Beschluss wurde nicht durchgeführt, weil die Gemeinde einstimmig beschloss eine Druckspritze anzuschaffen und am 13. dieses Monats wegen Anschaffung dieser Spritze weiteren Gemeindebeschluss zu fassen.“ Unter dem Vermerk „Wer nun mit der Anschaffung einer Blümlein-Druckspritze, ebenso mit der Aufnahme eines Kapitals einverstanden ist, der schreibe sich rechts, wer dagegen ist, der schreibe sich links“ befindet sich keine einzige Unterschrift.
Am 26. Januar 1876, das muss also die 4. Gemeindeversammlung in Sachen Feuerspritze gewesen sein, wird dann einstimmig die Aufnahme des Darlehens, jetzt 2.000 Mark, genehmigt und zugleich festgelegt, dass „alljährlich auf jedes Loos Nachbarholz 1 fl (Gulden) bis 1 fl 1kr (Kreuzer) zur Bezahlung der Tilgung der Spitzenschuld aufgeschlagen werden“. Für die anwesenden Ortsbürger unterschreiben Kilian Dümig, der spätere 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, und Karl Josef Kimmel. Am 7. März 1876 wird die Spritze übergeben. Der Wirt Peter Merget berechnet der Gemeinde für die Bewirtung der Feuerwehrleute 38 Glas Bier, das Glas zu 12 Pfennige, macht insgesamt 4 Mark und 56 Pfennige.
Mit der Inbetriebnahme der Feuerspritze ist das Drama noch lange nicht zu Ende. Schon bald muss die erste Reparatur durchgeführt werden. Für die Instandsetzung von „Zylinder nebst Kolben“ erhält der Hanauer Spenglermeister Georg Kraft 10 Mark und 50 Pfennige. Wohl auch wegen dieser Mängel klagt die Gemeinde gegen den Würzburger Lieferanten Blümlein. Am 18. April 1876 stellt der Königliche Rechtsanwalt Ferdinand Heigl aus Aschaffenburg der Gemeinde Großwelzheim 32 Mark und 26 Pfennig „in Sachen des Herrn Blümlein gegen Sie“ in Rechnung, mit dem Hinweis, „widrigenfalls ich in der Sache fortfahren würde“. Offenbar hat die Gemeinde Großwelzheim den anstrengenden Prozess also verloren, denn Blümlein erhält bereits am 10. April 1876 die geforderten 2.332 Mark und Bürgermeister Kimmel zahlt am 25. April 1876 die Rechtsanwaltskosten. Wie groß die finanziellen Probleme der Gemeinde Großwelzheim im Jahre 1876 sind, lässt sich auch daran ablesen, dass man beim Dettinger Kronenwirt Christoph Sittinger „zur Bestreitung dringender Ausgaben ein Passivvorschuss von 1.200 Mark“ aufnimmt.
Für die Gemeinde sind die Investitionsmaßnahmen für die Freiwillige Feuerwehr aber damit noch lange nicht abgeschlossen. Jetzt werden Steigleitern, Signalhörner, Helme, Fangleinen, Hupen, Übungsbüchlein, Leinen mit Haken, Rüböl, Maschinenschmier und ein Bändchen „Commandowort“ gekauft. Und schon am 23. August 1876 wird an den Maurer Moritz Hornung und den Zimmermann Friedrich Heßberger, beide aus Großwelzheim, für insgesamt 104 Mark der Auftrag zum Bau eines Spritzenhauses vergeben, das 6,5m lang, 4m breit und 2,5m hoch ist. Auch die Ortsbürger zahlen bereits mit. Wurde doch am 26. Januar 1876 beschlossen, dass das "Loosholz" teurer wird. Und so berechnet die Gemeinde im Jahr 1876 für 99 verteilte Lose einen Aufschlag von je 2 Mark, insgesamt also 198 Mark, mit dem die jährliche Tilgungsleistung von 200 Mark fast exakt gedeckt werden kann. Wann die Feuerwehr erstmals bei einem Brand in Einsatz kommt, ist nicht überliefert. Eine Hauptübung wird nach den Rechnungsbelegen jährlich durchgeführt, wobei die Gemeinde anschließend die obligatorische Maß Freibier ausgibt. Am 8. April 1876 wird die Feuerspritze mit dem Fuhrwerk nach Mömbris gefahren. Auch im Mai und Juli 1876 fallen für die Verköstigung der Feuerwehrleute Kosten an. Der Anlass ist in all diesen Fällen nicht vermerkt. Mit Sicherheit kommt die Feuerspritze im Jahre 1879 beim Brand des Anwesens von M. Eibeck zum Einsatz.Der Wirt verrechnet für die Verköstigung der Feuerwehrleute 120 Liter Bier, 2 Laib Brot, 6 Liter Brandwein, 2 ½ Pfund Baß (?) und 4 zerbrochene Gläser, insgesamt 37,02 Mark.

Helmut Winter

Sie sind Besucher Nr.:

WetterOnline
Das Wetter für
Karlstein am Main
mehr auf wetteronline.de

KFV-News:

RSS-Feeds werden geladen...
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Freiwillige Feuerwehr Gemeinde Karlstein am Main